Indirekte Fragesätze Latein — num, nonne, -ne und der Konjunktiv

Indirekte Fragesätze Latein: der fragende Steinmetz — ob, wer, wo, warum im Konjunktiv

Ein indirekter Fragesatz steckt die Frage in einen Nebensatz: nicht „Wer war das?“, sondern „Ich frage, wer das gewesen sei“. Im Lateinischen steht darin immer der Konjunktiv — im Deutschen übersetzt du ihn trotzdem mit dem Indikativ. Dieser Beitrag ordnet die Einleitewörter und die Zeitenfolge. Er gehört zum Latein-lernen-Bereich; verwandt ist der Konjunktiv im Nebensatz.

  • Einleitung: Fragewörter und die Partikeln -ne, num, nonne
  • Die Doppelfrage utrum … an (und „oder nicht“: annon/necne)
  • Der Konjunktiv und die Consecutio temporum
  • Die übergeordneten Verben, häufige Fehler und der Merksatz
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Was ist ein indirekter Fragesatz?

Ein indirekter Fragesatz ist ein Nebensatz, der von einem Verb des Fragens, Wissens oder Zweifelns abhängt (z. B. rogare, scire, nescire). Er wird durch ein Fragewort (quis, ubi, cur …) oder eine Fragepartikel (-ne, num, nonne) eingeleitet und steht im Lateinischen immer im Konjunktiv. Im Deutschen übersetzt du diesen Konjunktiv mit dem Indikativ.

Rogo, ubi sis. = „Ich frage, wo du bist.“ — Nescio, num verum sit. = „Ich weiß nicht, ob es wahr ist.“

Einleitung: Fragewörter und Fragepartikeln

Zwei Sorten von indirekten Fragen gibt es. Wortfragen beginnen mit einem Fragewort (quis, quid, ubi, cur, quando, quomodo, quantus). Entscheidungsfragen („ob“-Fragen) beginnen mit einer Partikel:

PartikelBedeutung (indirekt)Beispiel
-ne (angehängt)obRogat, veniasne. — Er fragt, ob du kommst.
numob (neutral!)Nescio, num verum sit. — Ich weiß nicht, ob es wahr ist.
nonneob nicht (selten)Quaerit, nonne id sciam. — Er fragt, ob ich das nicht weiß.

Achtung, die num-Falle: Im direkten Fragesatz heißt num „etwa (doch nicht)“. Im indirekten Fragesatz bedeutet es aber ganz neutral einfach „ob“.

Bei der Doppelfrage („ob … oder …“) steht im ersten Teil utrum oder -ne, im zweiten an: Rogo, utrum verum an falsum sit. („Ich frage, ob es wahr oder falsch ist.“) Das „oder nicht“ heißt annon oder necne: Nescio, veniatne necne. („Ich weiß nicht, ob er kommt oder nicht.“)

Der Konjunktiv und die Consecutio temporum

Im indirekten Fragesatz steht immer der Konjunktiv (der „obliquer Konjunktiv“). Welches Tempus, regelt die Consecutio temporum — abhängig vom Tempus des Hauptsatzes und vom Zeitverhältnis (gleichzeitig, vorzeitig, nachzeitig):

Zeitverhältnisnach Haupttempus (Präs./Perf./Fut.)nach Nebentempus (Impf./Perf./Plqpf.)
gleichzeitigKonjunktiv PräsensKonjunktiv Imperfekt
vorzeitigKonjunktiv PerfektKonjunktiv Plusquamperfekt
nachzeitig-urus sim-urus essem

Beispiele: Nescio, quis hoc fecerit. (vorzeitig, Haupttempus) — „Ich weiß nicht, wer das getan hat.“ Rogavi, ubi esses. (gleichzeitig, Nebentempus) — „Ich fragte, wo du warst.“ Rogo, quid facturus sis. (nachzeitig) — „Ich frage, was du tun wirst.“ Die Nachzeitigkeit umschreibt man mit dem Partizip Futur + esse. Eine Übersicht bietet die Uni Wien.

Übergeordnete Verben — und die häufigen Fehler

Einen indirekten Fragesatz löst ein Verb des Fragens, Wissens oder Zweifelns im Hauptsatz aus: rogare (fragen), quaerere (fragen), scire (wissen), nescire (nicht wissen), dubitare (zweifeln) — oder Wendungen wie incertum est („es ist ungewiss“). Findest du so ein Verb, ist der Konjunktiv im Nebensatz erklärt.

Die häufigsten Fehler:

  • Die num-Falle: num im indirekten Fragesatz heißt schlicht „ob“ — nicht „etwa“.
  • Den Konjunktiv mitübersetzen: Der lateinische Konjunktiv wird im Deutschen zum Indikativ — „Ich frage, wer das getan hat“, nicht „getan habe“.
  • Fragepronomen und Relativpronomen verwechseln: qui, quae, quod („welcher“) sieht aus wie das Relativpronomen — das übergeordnete Verb des Fragens verrät den Fragesatz.
  • Consecutio ignorieren: Das Tempus des Konjunktivs richtet sich nach dem Hauptsatz-Tempus und dem Zeitverhältnis.

Ausführlich auch bei latein-grammatik.at und in der Übersicht auf Wikipedia.

Häufige Fragen — Indirekte Fragesätze Latein

Was bedeutet num im indirekten Fragesatz?

Im indirekten Fragesatz bedeutet num ganz neutral „ob“ — anders als im direkten Fragesatz, wo num eine verneinende Antwort erwartet („etwa, doch nicht“). Nescio, num verum sit heißt „Ich weiß nicht, ob es wahr ist“.

Welcher Modus steht im indirekten Fragesatz?

Im Lateinischen steht im indirekten Fragesatz immer der Konjunktiv. Im Deutschen wird er mit dem Indikativ übersetzt: Rogo, ubi sis = „Ich frage, wo du bist“, nicht „wo du seist“. Welches Tempus der Konjunktiv hat, regelt die Consecutio temporum.

Wie bildet man die indirekte Doppelfrage?

Die Doppelfrage („ob … oder …“) beginnt im ersten Teil mit utrum oder angehängtem -ne, im zweiten Teil mit an: Rogo, utrum verum an falsum sit. Für „oder nicht“ steht annon oder necne: Nescio, veniatne necne.

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