Perfekt Latein: Endungen, 6 Bildungsarten, Übersetzung

Perfekt Latein: Der Steinmetz wischt sich die Stirn neben einer fertigen Steintafel mit den Worten VENI VIDI VICI
EndunglaudāreDeutsch
-īich lobte
-istīdu lobtest
-iter, sie, es lobte
-imuswir lobten
-istisihr lobtet
-ēruntsie lobten

Das Perfekt ist die Erzählzeit im Latein. Du bildest es aus Perfektstamm + Endung: , „ich lobte“. Die Endungen sind bei allen Verben gleich.

So zerlegst du jede Perfektform
Unsere Wortanalyse, wie im Formentrainer: Die Endung sagt dir die Person. Die Zeit steckt im Stamm, oft mit einem eigenen Zeichen.
■ Stamm■ Zeitzeichen■ Personalendung
er lobte
  • laudā = Stamm: laudāre, loben
  • v = Zeitzeichen: macht daraus den Perfektstamm
  • it = Endung: 3. Person Singular
er schickte
  • mīs = Stamm: der Perfektstamm von mittere
  • it = Endung: 3. Person Singular

Perfektstamm: die Form auf -ī aus den Stammformen, ohne das -ī: mittere, mittō, mīsī, missum. Übersetzung: in einer Erzählung mit Präteritum (er lobte), wenn jemand spricht meist mit deutschem Perfekt (er hat gelobt).

Jede Form schlägst du im Konjugator nach. Selbst bilden kannst du sie im Formentrainer: laudāre und audīre im Perfekt sind kostenlos.

Wie bildet man das Perfekt? Die 6 Perfektarten

Die Endungen sind immer gleich, der Stamm ändert sich. Dafür gibt es sechs Muster:

PerfektartBeispiele
v-Perfekt
-v- an den Stamm, vor allem 1. und 4. Konjugation
laudāre →
audīre →
u-Perfekt
-u- an den Stamm, vor allem 2. Konjugation
monēre →
tenēre →
s-Perfekt
-s- an den Stamm; aus c oder g und s wird x
mittere →
dīcere →
dūcere →
Dehnungsperfekt
Der Stammvokal wird lang, manchmal ändert er sich
venīre →
vidēre →
facere →
Reduplikation
Der Anfang des Stamms wird verdoppelt
dare →
stāre →
currere →
Stammperfekt
Der Stamm bleibt, nur die Endung kommt dazu
dēfendere →
ascendere →

Sicher ableiten kannst du die Perfektart nicht: vidēre gehört zur 2. Konjugation und bildet trotzdem vīdī, nicht viduī. Darum lernst du zu jedem Verb die Stammformen mit. Hast du den Stamm, brauchst du nur noch die sechs Endungen.

Alle sechs Perfektarten in unserer Geschichte
Lapicida-Lesetexte aus dem 1. und 2. Lernjahr, so wie die App sie zeigt, mit den Satzgliedfarben der App.
■ Subjekt■ Prädikat■ Akkusativobjekt■ Dativobjekt■ Präpositionalgruppe■ Adverbiale
Ariovistus Lupum vocavit.
Übersetzung
Ariovist rief Lupus.
v-Perfekt: vocāre →
Iulia Ariovistum tenuit.
Übersetzung
Iulia hielt Ariovist fest.
u-Perfekt: tenēre →
Caesar canem spectavit. Tum eum secum duxit.
Übersetzung
Caesar sah den Hund an. Dann nahm er ihn mit.
s-Perfekt: dūcere → (davor ein v-Perfekt: )
Ariovistus periculum vidit.
Übersetzung
Ariovist sah die Gefahr.
Dehnungsperfekt: vidēre →
Titus Lupo frumentum dedit.
Übersetzung
Titus gab Lupus Getreide.
Reduplikation: dare →
Tum murum ascendit.
Übersetzung
Dann kletterte er über die Mauer.
Stammperfekt: ascendere → . Das Präsens heißt auch ascendit; hier erzählt der Text, und tum (dann) führt die Handlung weiter.

Wie du die Satzglieder selbst bestimmst, zeigt der Beitrag Satzglieder im Latein bestimmen.

Wie übersetzt man das Perfekt?

Das lateinische Perfekt hat im Deutschen zwei Übersetzungen. Es kommt darauf an, wer da redet:

Im TextÜbersetzung
Erzählung
Präteritum
: er kam
Jemand spricht
deutsches Perfekt
: ich bin gekommen
Dasselbe Verb, zwei Übersetzungen
Aus unseren Lesetexten, die Übersetzung steht gleich dabei.
■ Subjekt■ Prädikat■ Akkusativobjekt■ Präpositionalgruppe■ Adverbiale
Lupus ad Titum venit.
Übersetzung
Lupus kam zu Titus.
Erzählung: kam (Präteritum)
„Tum Aquileiam venimus“, dixit. „Ibi quoque forum erat.“
Übersetzung
„Dann sind wir nach Aquileia gekommen“, sagte er. „Da war auch ein Markt.“
Jemand spricht: sind gekommen (deutsches Perfekt), dieselbe Vokabel. Das dixit daneben gehört zur Erzählung und heißt deshalb „sagte“.
Wotan Hildam in forum misit.
Übersetzung
Wotan schickte Hilda auf den Markt.
Erzählung: schickte
„Ad Iūliam“, inquit Hilda. „Nūntium nōn mīsī.“
Übersetzung
„Zu Iulia“, sagte Hilda. „Ich habe die Nachricht nicht weitergeschickt.“
Hilda spricht: habe … nicht weitergeschickt

Falsch ist die andere Zeit im Deutschen selten, aber sie klingt schief: „Lupus ist zu Titus gekommen“ passt nicht in eine laufende Geschichte. Lies darum den Satz davor mit.

Perfekt kostenlos üben

Im Formentrainer bildest du die Formen selbst, jede in einem kurzen Satz. laudāre und audīre im Präsens und Perfekt sind kostenlos, alle anderen Verben und Zeiten gibt es in der Vollversion. Einzelne Formen schlägst du im Konjugator nach, kostenlos und ohne Anmeldung.

Perfekt oder Imperfekt?

Die eine Frage
Geht die Geschichte hier einen Schritt weiter? Dann steht das Perfekt. Bleibt sie stehen und beschreibt, wie es gerade war? Dann steht das Imperfekt.
PerfektImperfekt
Was geschah dann?Wie war es gerade?
Handlung im VordergrundKulisse, Dauer, Gewohnheit
subitō (plötzlich)
statim (sofort)
tum (dann)
semper (immer)
saepe (oft)
cotīdiē (täglich)
deutsch: er lobtedeutsch: er lobte

Die letzte Zeile ist der Grund für die Verwechslung: In einer Erzählung übersetzt du beide Zeiten mit Präteritum. Den Unterschied sieht man im Deutschen nicht, im Latein schon. Die Hinweiswörter helfen, einen Beweis liefern sie nicht. Die Formen stehen auf der Seite Imperfekt im Latein.

Vordergrund und Kulisse in einem Satz
Aus unseren Lesetexten.
■ Subjekt■ Prädikat■ Akkusativobjekt■ Präpositionalgruppe■ Adverbiale
Wotan Hildam in forum misit. Illa cistam portabat.
Übersetzung
Wotan schickte Hilda auf den Markt. Sie trug einen Korb.
bringt die Geschichte weiter, beschreibt nur, wie es dabei aussah. Deutsch steht beide Male das Präteritum.
Subito saxum se movit.
Übersetzung
Plötzlich bewegte sich der Stein.
subitō (plötzlich) kündigt ein Ereignis an, also Perfekt: movēre → .

Perfekt von esse, posse und īre

Auch die unregelmäßigen Verben nehmen die normalen Endungen, nur der Stamm ist eigen:

esseDeutsch
ich war
du warst
er, sie, es war
wir waren
ihr wart
sie waren

posse bildet , , , īre bildet , , .

Perfekt Passiv, Konjunktiv und Infinitiv

Das Passiv hat keinen Perfektstamm, es besteht aus zwei Wörtern: laudātus sum, „ich bin gelobt worden“. Das steht unter PPP und Passiv. Den Konjunktiv Perfekt (laudāverim) und den Infinitiv Perfekt (laudāvisse) bildest du vom selben Stamm wie das Perfekt.

Das Perfekt in berühmten Sätzen

VENI : VIDI : VICI
Sueton, Caesar 37
Ich kam, ich sah, ich siegte.
Dreimal Perfekt, dreimal Dehnung: venīre, vidēre, vincere. Die drei Wörter ließ Caesar im Triumphzug über Pontus auf einer Tafel vorantragen.
Apud Helvetios longe nobilissimus et ditissimus Orgetorix.
Caesar, De bello Gallico 1,2
Bei den Helvetiern war Orgetorix bei Weitem der Vornehmste und Reichste.
ist das Perfekt von esse.
Odi et amo.
Catull, carmen 85
Ich hasse und liebe.
ōdī sieht aus wie ein Perfekt und heißt „ich hasse“: Das Präsens gibt es von diesem Verb nicht.
Conticuere omnes intentique ora .
Vergil, Aeneis 2,1
Alle verstummten und hielten die Gesichter gespannt auf ihn gerichtet.
conticuēre steht für conticuērunt: Das Verstummen ist das Ereignis (Perfekt), das gespannte Zuhören die Kulisse (Imperfekt tenēbant).

Alle Texte liest du frei bei The Latin Library.

Die fünf Stolperfallen beim Perfekt

  1. venit oder vēnit?
    Ohne Längenstriche sehen Präsens und Perfekt bei vielen Verben gleich aus: venit (er kommt), (er kam). In Schultexten stehen die Striche meist nicht. Bei ascendit und dēfendit gibt es gar keinen Unterschied. Dann entscheidet die Erzählung um den Satz herum.
  2. -ērunt, -erant, -erint
    Nur ein Vokal trennt die Zeiten: (Perfekt), (Plusquamperfekt), (Futur II oder Konjunktiv Perfekt).
  3. -ēre ist nicht immer ein Infinitiv
    Bei Dichtern und Geschichtsschreibern steht -ēre oft für -ērunt: conticuēre, „sie verstummten“. Am Perfektstamm erkennst du es.
  4. Kurzformen
    Das v fällt gern aus: laudāstī für , audiī für , nōstī für nōvistī.
  5. Perfektform, Präsens-Bedeutung
    nōvī (ich kenne), ōdī (ich hasse), meminī (ich erinnere mich) übersetzt du im Präsens.
nōvī in unserer Geschichte
Aus dem Lesetext „Virtus“.
■ Subjekt■ Prädikat■ Akkusativobjekt■ Adverbiale
„Illa castra novi“, Titus dixit. „Inde nemo exit.“
Übersetzung
„Ich kenne das Lager“, sagte Titus. „Da kommt niemand raus.“
nōvī ist eine Perfektform und heißt „ich kenne“. Wörtlich: Ich habe es kennengelernt, jetzt weiß ich es.

Häufige Fragen zum Perfekt im Latein

Wie bildet man das Perfekt im Latein?

Perfektstamm plus Endung: -i, -isti, -it, -imus, -istis, -erunt. Den Perfektstamm findest du in den Stammformen: Von laudavi bleibt laudav-, von misi bleibt mis-.

Welche Endungen hat das Perfekt im Latein?

-i, -isti, -it, -imus, -istis, -erunt. Sie gelten für alle Verben, auch für esse: fui, fuisti, fuit, fuimus, fuistis, fuerunt.

Wie übersetzt man das Perfekt im Latein?

In einer Erzählung mit Präteritum (venit: er kam), wenn jemand spricht meist mit deutschem Perfekt (veni: ich bin gekommen).

Was ist der Unterschied zwischen Perfekt und Imperfekt im Latein?

Das Perfekt bringt die Geschichte weiter: Was geschah dann? Das Imperfekt beschreibt die Kulisse, also Dauer, Zustand oder Gewohnheit. Im Deutschen stehen in einer Erzählung beide im Präteritum.

Welche Perfektarten gibt es im Latein?

Sechs: v-Perfekt (laudavi), u-Perfekt (monui), s-Perfekt (misi, dixi), Dehnungsperfekt (veni, vidi), Reduplikation (dedi, cucurri) und Stammperfekt (defendi).

Woran erkenne ich, ob venit Präsens oder Perfekt ist?

Mit Längenstrich ist vēnit Perfekt. Ohne Strich entscheidet der Zusammenhang: Steht der Satz in einer Erzählung in der Vergangenheit, heißt es meist er kam.

Das Perfekt sicher bilden und erkennen

Im Formentrainer bildest du die Formen, in den Lesetexten der App begegnen sie dir im Zusammenhang. Alle Zeiten im Überblick zeigt die Seite Verben im Latein.

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